Artikel-Schlagworte: „Bildungspolitik“
- Arbeitsmarkt: Tausende Lehrstellen bleiben unbesetzt
- Konstanz: Eine Maultasche für den Hotelier
- Krisenfolge: Deutsche streiken weniger
- Straßenkinder: Ein Leben im Off
- Arbeitsmarkt Ostdeutschland: »Im Zentrum des Notstands«
- ARGE Warendorf: Bürgerarbeit für 500 Leute
- Auch in Schleswig-Holstein: Mehr Strafen für Hartz-IV-Empfänger
- Selbstwertgefühl geben und fördern
Politik/Gesellschaft:
- FDP: Künftig Bildung aus dem Bausparvertrag?
- Wähler wollen einen starken Staat statt Deregulierung
- 60 Jahre Charta der Heimatvertriebenen – Schatten der Vertreibung
- IG-Metall: »Wir waren schon mal weiter«
- Gates’ und Buffetts Spendenaktion: »Obszöne Almosen«
- Konservatismus: Dr. Söder und Mr. Burke
Ausland:
- Indien: Armutsfalle Mikrokredite – Selbstmord wegen 25 Rupien
- Schweiz: Aufrüsten gegen Raser
- Schweiz: Der moderne Bauer unterschreibt elektronisch
Recht/Urteile:
Wirtschaft:
Buchtipp der Woche:
Diskussion:
- Streitgespräch: Sollen sich Tafelläden politisch engagieren?
- Rechtsstaat: Deutsche Sozialgerichte pflegen die Kunst des Jammerns
- Elterngeld: Wie Familienministerin Schröder Hartz-IV-Familien ausgrenzt
TV-Tipp:
- TV-Sendungen zum Thema Hartz-IV, ALG2, Soziales (Teleboy.ch)
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Umblättern:
- Meldungen vom 5. Aug. 2010. Themen:
So kürzen Ämter bei Hartz IV – Das schäbige Geschäft der Preisdrücker – Hartz IV: Müssen Arme Armen helfen? – Schuldnerberatung: Hartz IV-Bezieher bekommen zu wenig Geld für Strom – Hartz IV verhindert Familienleben – Unterwegs mit einem Ermittler der Arbeitsagentur – Dreiste Strompreise: Parlament prüft Machtmissbrauch der Energiegiganten – Politische Korruption ist brisanter als die Steuerhinterziehung – Westerwelle: Ersatzkanzler auf Baldrian – Zwangsarbeit: Fernsehfilm sorgt für Unruhe bei Lufthansa – und mehr … - Meldungen vom 9. Aug. 2010, Themen:
Hartz-IV-Regelsatz: Kampf geht vor den EU-Gerichten weiter – Wirtschaftsweiser fordert Arbeitspflicht - Hartz-IV: Mondmieten für Bruchbuden – BILD hetzt gegen Hartz-IV-Empfänger – Nach Sozialbetrug: Tränen vor Gericht – Feuerlöscher-Angriff auf Arge-Mitarbeiterin – Zeitarbeit: Schluss mit dem Schleckern! – Streit um Entschädigung für NS-Opfer – CSU lehnt Gutscheine für Hartz-IV-Empfänger ab – Wer zahlt in der Übergangszeit von Hartz-IV zur Rente? – Hartz IV: Kein Sonderbedarf für Kinder – und mehr…
- Anregungen, Kritik, Artikel, Hinweise sind willkommen und erreichen gegen-stimmen.de am schnellsten per Kontaktformular
- Die aufgenommenen Artikel, Meldungen, Informationen usw. werden aus verschiedenen Quellen zusammengestellt, geben jedoch nicht immer die Ansicht der Redaktion wieder.
- Redaktion: Joachim Weiss (/jowi)
- Nächste Ausgabe: Montag, 9. Aug. 2010
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Hartz-IV/Soziales:
Arbeitsmarkt: Tausende Lehrstellen bleiben unbesetzt
»Die Entwicklung des Ausbildungsmarkts ist dramatisch. Immer mehr Betriebe können ihre Lehrstellen nicht mit Azubis besetzen, weil die Zahl der Schulabgänger in Ostdeutschland rapide abnimmt. Allein im Handwerk sind derzeit noch 15.000 Plätze zu vergeben.
Auszug: “Die meisten Betriebe scheinen die schlechten Zukunftsperspektiven bereits im Blick zu haben. Seit Monaten versuchen sie mit Kampagnen ihr Image aufzupolieren – und bieten derzeit möglichst vielen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz an. Denn wer sich jetzt nicht um Azubis bemüht, wird auch später keine Chance bei jungen Leuten haben.
So konnte die Zahl der bis Ende Juli abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk zwar gegenüber dem Vorjahr um gut 1,8 Prozent auf nun rund 82.500 gesteigert werden. “Wir setzen zur Fachkräftesicherung vorrangig auf Ausbildung im Betrieb”, sagte Handwerkspräsident Kentzler mit Blick auf die aktuelle Debatte um Zuwanderer. Auch in den meisten anderen Berufen konnte die Lehrstellenzahl bislang auf dem Vorjahresniveau gehalten werden. Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) wurden bis Ende Juli rund 227.800 neue Ausbildungsverträge registriert, “ca. 50 mehr als im Vorjahresmonat”, schreibt die “Passauer Neue Presse” unter Berufung auf DIHK-Zahlen.”« Quelle: 06.08.2010, Artikel lesen bei spiegel.de…
Konstanz: Eine Maultasche für den Hotelier
»Ein Luxushotel, ein Mercedes-Händler und ein Pflegeheim gewannen vergangene Woche einen Preis. Doch so recht glücklich sind die Sieger nicht.
Der «Goldene Adler» in Konstanz gilt als gute Adresse. «Lassen Sie sich in unserem eleganten, familiär geführten Luxushotel verwöhnen», wirbt das Viersternehotel auf seiner Website. Verwöhnt werden jedoch nicht alle im Hotel – und so bekam es vergangene Woche Besuch von GewerkschafterInnen, die nach der Geschäftsleitung fragten und dem Seniorchef eine riesige Maultasche mit roter Schleife überreichten.
Die gefüllte Teigtasche soll an die fristlose Kündigung einer Altenpflegerin erinnern, die im Oktober 2009 von der Konstanzer Spitalstiftung entlassen worden war, weil sie ein paar Teigtaschen mitgenommen hatte, die später sowieso im Kübel gelandet wären. Das sei Diebstahl, begründete die Führung der städtischen Sozialeinrichtung den Rausschmiss, und die verantwortlichen Konstanzer Bürgermeister warfen der 58-Jährigen auch noch «Schlechtleistung» vor – obwohl die Frau siebzehn Jahre lang untadelig gearbeitet hatte, wie ein Arbeitsgericht später feststellte.« Quelle: 06.08.2010, Beitrag lesen bei woz.de…
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Krisenfolge: Deutsche streiken weniger
»Kuschelkurs mit den Arbeitgebern: In Deutschland gingen im ersten Halbjahr deutlich weniger Beschäftigte auf die Straße. Die meisten Streikenden kamen aus dem Öffentlichen Dienst.
Nur noch rund 86.000 Arbeitnehmer nahmen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres an Streiks oder an Warnstreiks teil, teilte das gewerkschaftsnahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) am Donnerstag mit. Das entspricht einem Rückgang auf weniger als ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 70 Prozent der Streikenden kamen aus dem Öffentlichen Dienst, schrieb das WSI.
Die Zahl der dadurch ausgefallenen Arbeitstage schätzt das Institut auf rund 140.000. Im ersten Halbjahr 2009 waren es noch 350.000. “Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise dürften ein wesentlicher Grund dafür sein, dass im ersten Halbjahr weniger gestreikt wurde”, sagte der WSI-Arbeitskampfexperte Heiner Dribbusch.« Quelle: 06.08.2010, Meldung lesen bei SPIEGEL Online…
Straßenkinder: Ein Leben im Off
»Wer in Berlin den Alexanderplatz überquert oder in den unterirdischen Gängen von einer U-Bahn zur nächsten eilt, begegnet ihnen: den Kindern vom Alex. Jugendliche mit bunten Haaren, zerfetzten Jeans und schweren Stiefeln an den Füßen, ein Ring in der Augenbraue, ein Spruch auf den Lippen, in der Hand einen Becher, in dem ein paar Münzen klappern. Der Alex ist ihr Terrain und für viele von ihnen ist er ihr zu Hause, das einzige, das sie haben.
Terre des Hommes schätzt, dass etwa 9.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland dauerhaft oder vorübergehend auf der Straße leben, ein Drittel davon in Berlin. In offiziellen Statistiken tauchen obdachlose Kinder nicht auf, denn häufiger noch als Erwachsene pendeln sie meist zwischen wechselnden Zufluchtsorten und der Straße.
„Fast jede Woche tauchen neue Gesichter auf, manche sind erst zwölf Jahre alt. Kurz vor den Schulferien, wenn es Zeugnisse gibt, werden es besonders viele“, sagt Eckhard Baumann, Sozialarbeiter beim Berliner Verein Straßenkinder. Einmal die Woche stellt sich Baumann mit einem Kleinbus auf den Alexanderplatz und verteilt Suppe in Plastiktellern. Die Essensausgabe ist für ihn eine Möglichkeit, mit den Kindern und Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, neu Angekommene anzusprechen, Vertrauen aufzubauen, Sorgen und Probleme anzuhören. Oft ist das schon mehr, als die Jugendlichen gewöhnt sind.« Quelle: 06.08.2010, Beitrag von Nana Heidhues lesen bei der Freitag…
Arbeitsmarkt Ostdeutschland: »Im Zentrum des Notstands«
»In den neuen Bundesländern schnappt die demographische Falle früher zu als anderswo. Wegen des Geburtenausfalls nach der Wende und der hohen Abwanderung fehlen der Wirtschaft Arbeitskräfte. Die betroffenen Länder reagieren mit unterschiedlichen Strategien.
Die Zukunft hat in Bitterfeld schon begonnen. Armin Schenk will sie mit einem halben Dutzend Mitarbeitern gestalten. Dazu braucht er 40.000 Euro, die ihm der Kreistag Ende August genehmigen soll. Mit dem Geld will die Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, deren Geschäftsführer der 49 Jahre alte Schenk ist, die Region auf ein Problem vorbereiten, das viele Unternehmen seiner Meinung nach „noch immer nicht richtig wahrgenommen haben“: den drohenden Arbeitskräftemangel.« Quelle: 06.08.2010, Beitrag von Sven Astheimer lesen bei faz.net…
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ARGE Warendorf: Bürgerarbeit für 500 Leute
»Mit den Busbegleitern hat die Arge gute Erfahrungen gemacht. Bezieher von Hartz-IV-Leistungen wurden als Busbegleiter eingesetzt, um für mehr Ordnung beim Schülerverkehr zu sorgen. „Diese Tätigkeit würde sich auch als Bürgerarbeit eignen“, so Martin Hanewinkel, Projektleiter der Arge.
Auszug: “Bundesweit beteiligen sich 200 Argen oder Optionskommunen an diesem Projekt. Es läuft bis Ende 2014 und wird vom Bund finanziert. Für die Aktivierungsphase nimmt die Arge im Kreis 604 000 Euro in die Hand. Sechs Fallmanager kümmern sich dann um die Langzeitarbeitslosen. „Das ist ein guter Betreuungsschlüssel, der ermöglicht, mindestens einmal monatlich Kontakt zu jedem Arbeitslosen zu haben“, sagt Josef Weber, ebenfalls Projektleiter bei der Arge. Weber verschweigt aber auch nicht, dass nicht alle Hartz-IV-Bezieher für die Maßnahme zu begeistern sind. „Es gibt einige Arbeitslose, die eine so intensive Betreuung nicht wollen.“« Quelle: 06.08.2010, Beitrag von Beate Kopmann lesen bei westfaelische-nachrichten.de…
Schleswig-Holstein: Mehr Strafen für Hartz-IV-Empfänger
»Rekord bei Sanktionen: So oft wie nie zuvor kürzten Arbeitsagenturen Hartz-IV-Bezüge. Im Norden ist der Kreis Steinburg Spitzenreiter.
Wer nicht zum Bewerbungsgespräch erscheint, ein Jobangebot ablehnt oder das PC-Training schwänzt, wird bestraft. Rund 180 000 Mal verhängten die Arbeitsagenturen allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres Sanktionen und kürzten die Hartz-IV-Bezüge – so oft wie nie zuvor in einem Vierteljahr. Dabei sind die Behörden nicht überall gleich streng. Die meisten Strafen hagelt es laut Bundesagentur für Arbeit im Süden. Spitzenreiter ist Kelkheim (Hessen): Dort werden 6,2 Prozent aller erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger sanktioniert. Am seltensten wird die Stütze im thüringischen Eichsfeld gekürzt (0,8 Prozent). Der Bundesschnitt liegt bei 2,5 Prozent.« Quelle: 06.08.2010, Beitrag lesen bei shz.de…
Selbstwertgefühl geben und fördern
»Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern, ist schwierig. Die Arge Roth versucht dies mit zeitlich begrenzten Beschäftigungen im Werkhof Regenbogen. Mit Erfolg: Jeder fünfte Teilnehmer bekommt danach eine Arbeit.
Zitat: “Bei vielen Langzeitarbeitslosen, die mindestens zwei Jahre, meist aber deutlich länger keinen Job hatten, muss im Werkhof “viel Aufbauarbeit geleistet werden”, sagt Nederkorn. Dann werde versucht, sie wieder in einen geregelten Tagesablauf einzugliedern. Ihnen durch die Arbeit aber auch wieder mehr Selbstwertgefühl zu geben, das nicht selten durch Hunderte Absagen auf Bewerbungen kaum mehr vorhanden ist. Die Arge nennt es zwar nur ein Arbeitsangebot, aber beim Angebot bleibt es nicht immer. “Einigen bieten wir einen solchen Ein-Euro-Job an, weil sie etwas dazuverdienen können, anderen lassen wir nicht die Wahl und setzten die Maßnahme ganz gezielt ein”, sagt die Arge-Geschäftsführerin Christiane Steib. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Arge feststellen will, ob einige ihrer Klienten überhaupt arbeitswillig sind. “Außerdem haben wir einige Arbeitssuchende, bei denen wir, oft aber auch die Betroffenen selbst, aufgrund einer Erkrankung nicht wissen, zu welchen Tätigkeiten sie geeignet sind und ob sie einen normalen Arbeitstag durchstehen”, sagt Nederkorn.”« Quelle: 06.08.2010, Artikel von Kai Bader lesen bei donaukurier.de…
FDP: Künftig Bildung aus dem Bausparvertrag?
»Noch wird Bildungssparen in Deutschland weder gesetzlich unterstützt noch öffentlich gefördert. Die FDP will das ändern. Nun gibt es von den Liberalen erstmals konkrete Pläne, wie eine staatliche Förderung des Bildungssparens aussehen könnte.
Die Liberalen wollen bereits existierende Förderinstumente wie die Arbeitnehmersparzulage flexibilisieren. Zudem soll ein Bausparvertrag nicht nur zur Finanzierung des Wohneigentums, sondern auch der Bildungsvorsorge dienen. Das geht aus einem dem Handelsblatt vorliegenden Konzept des FDP-Finanzexperten Frank Schäffler hervor. Aus der schwarz-gelben Koalition gibt es bereits den Auftrag an das Bundesfinanzministerium, die Vorschläge zu prüfen.« Quelle: 06.08.2010, Beitrag lesen bei handelsblatt.com…
Wähler wollen einen starken Staat statt Deregulierung
»Über den Niedergang der FDP ist schon viel geschrieben und berichtet worden. Über Guido Westerwelle sowieso. Obwohl Außenminister und damit eigentlich qua Amt ein Sympathieträger, hat es der Oberliberale in nur zehn Regierungsmonaten geschafft, sich und seine Partei aus einer triumphalen Zustimmung in die politische Existenznot zu führen. Gerade einmal fünf Prozent der Wähler können sich derzeit noch für die Freidemokraten erwärmen.
Auszug: “Schon die Tatsache, dass der Vizekanzler eine vergleichsweise nichtige Sommersitzung des Kabinetts zum Anlass nahm, um hinterher die Hauptstadt-Journalisten zu besuchen, macht das politische Elend der FDP offensichtlich. Frühere Regierungsstellvertreter wie Joschka Fischer oder Frank-Walter Steinmeier fanden es garantiert genauso toll, einmal den urlaubenden Chef im Kanzleramt vertreten zu dürfen. Aber das war’s dann auch.
Immerhin hat Westerwelle keinen weiteren Streit provoziert. Dabei gebe es genug Anlass dafür. Sein liberaler Parteifreund Rainer Brüderle scheint davon beseelt zu sein, jeden Tag eine neue Sau durchs verwaiste Regierungsviertel zu treiben: Sparpaket, Rentengarantie, Fachkräftemangel. Und jedes Mal funkte die Union bis hin zur Kanzlerin öffentlich dazwischen. Hinzu kommt die aktuelle Diskussion über eine satte Aufstockung der Hartz-IV-Sätze.”« Quelle: 06.08.2010, Beitrag lesen bei mainpost.de…
60 Jahre Charta der Heimatvertriebenen – Schatten der Vertreibung
»Einäugige Sicht der Dinge: Die deutschen Vertriebenen sind bis heute Fremdkörper im Kosmos der europäischen Nationen geblieben. Nun könnte die Enkelgeneration beitragen, europäische Geschichte gemeinsam zu bewerten.
Zitat: “Diese einäugige Sicht der Dinge, die man bis heute auch in vielen anderen Äußerungen findet, ist einer der Gründe dafür, dass der Bund der Vertriebenen und seine Landsmannschaften in Deutschland so wenig Unterstützung in der Breite genießen. Schon 1965 organisierte sich bei ihnen weniger als ein Prozent der Vertriebenen, den übrigen Deutschen kamen sie zur Zeit der Ostverträge als unbelehrbare Störenfriede vor. Während sich der Rest der Nation aufgewühlt mit den Verbrechen der Deutschen in der NS-Zeit beschäftigte, tönten Vertriebenen-Funktionäre immer nur von den Verbrechen der Vertreibung.
Bis heute gibt es in ihren Reihen viele, die den Zusammenhang zwischen Nazi-Terror und Zwangsaussiedlung bestreiten und bis ins 19. Jahrhundert zurückgehen, um beispielsweise in Böhmen die Konflikte zwischen Tschechen und Sudetendeutschen als Vorstufe der Vertreibung zu interpretieren. Dies ist Unsinn. Wer heute den Ausgleich mit anderen sucht, muss beherzigen, dass seit Auschwitz für Deutsche beim Reden über Verbrechen in Europa eine gewisse Reihenfolge einzuhalten ist.”« Quelle: 06.08.2010, Kommentar von Klaus Brill lesen bei Sueddeutsche Zeitung…
IG-Metall: »Wir waren schon mal weiter«
»IG-Metall-Vorstand Hans-Jürgen Urban über die Herbstproteste des DGB, die Notwendigkeit eines sozial-ökologischen Umbaus und das Problem, dafür Mehrheiten zu finden
Auszug: “Der Sozialphilosoph Oskar Negt hat unlängst angemahnt, die Gewerkschaften bräuchten „wieder eine starke Utopie“. Fehlt Ihnen die?
Der Begriff der Utopie wird viel strapaziert. Richtig aber ist: In der Defensive neigen auch die Gewerkschaften mitunter zu einem perspektivarmen Pragmatismus. Oder sie verlegen sich darauf, den Exzessen des Finanzmarktkapitalismus mit moralischen Vorwürfen zu begegnen. Da wird die Gier von Managern gegeißelt und an die Norm des ehrbaren Kaufmanns appelliert. Das ist verständlich, aber es stößt auch schnell an Grenzen. Die Finanzmärkte und das System der schamlosen Bereicherung funktionieren nach anderen Moralvorstellungen. Die Profiteure sind durch Appelle an Moral und Anstand nicht zu erreichen. Dringlicher als eine Wertedebatte scheint mir – für die Gewerkschaften wie für die Linke insgesamt – eine machtpolitisch orientierte Strategiedebatte: schonungslose Analyse der ökonomischen und machtpolitischen Ursachen der Krise, Formulierung strategischer Alternativen, eine realistische Bewertung der zu erwartenden Widerstände und Arbeit an einem grundsätzlich anderen sozial-ökonomischen Entwicklungsmodell, das Orientierungspunkte für die Alltagspolitik liefern kann. Ansonsten kritisieren wir den Finanzmarktkapitalismus mit guten, moralischen Argumenten, scheitern aber schon mit kleinen Reformanstrengungen am Bollwerk seiner immer noch stabilen Privilegien- und Machtstrukturen.”« Quelle: 06.08.2010, Beitrag von Tom Strohschneider lesen bei der Freitag…
Gates’ und Buffetts Spendenaktion: »Obszöne Almosen«
»Bill Gates und Warren Buffett trommeln die US-Milliardäre zusammen, um gigantische Summen zu spenden. In Deutschland wäre eine ähnliche Aktion ein Skandal, meint PR-Profi Klaus Kocks: Wie beim Ablasshandel kauften sich die Reichen von ihrer gesellschaftlichen Verantwortung frei. Auszug aus dem Interview:
“Die US-Milliardäre Bill Gates und Warren Buffett wollen mindestens die Hälfte ihrer Vermögen für wohltätige Zwecke spenden. In einer medienwirksamen Aktion kündigten sie an, möglichst viele weitere Superreiche zu einer solchen Selbstverpflichtung zu überreden. Kann diese Aktion ein Vorbild für Deutschland sein?
Das würde ein Skandal. Diese Art von Mäzenatentum passt nicht nach Deutschland und nicht nach Europa. Außerdem ist es weder politisch noch ökonomisch vernünftig.
Was ist falsch daran, den Armen vom eigenen Reichtum abzugeben?
Ich freue mich für jeden Bedürftigen, auf den dieser warme Regen fällt. Selbstverständlich ist Barmherzigkeit nichts grundsätzlich Falsches. Aber das Problem in Deutschland ist doch nicht der Mangel an Mitteln. Fester Bestandteil der europäischen Tradition ist der Sozialstaat. Wenn es hier zu Lande Leute gibt, die unverschuldet in Armut leben, dann läuft etwas mit der Verteilung schief. Wer Gutes tun will, soll sich dafür engagieren, dass Wirtschaft und Gesellschaft endlich ihre Anpassungsdefizite abbauen.”« Quelle: 06.08.2010, Beitrag von Matthias Kaufmann lesen bei Manager Magazin…
Links:
- Buffett, Gates und Co.:Amerikas Superreiche starten Spendenrevolution
- Die Agenda für Bevölkerungsreduktion – kein philanthropisches Unterfangen (infokrieg.tv)
Konservatismus: Dr. Söder und Mr. Burke
»Hauptsache offen und ungreifbar, aber dennoch unterscheidbar: Eine Volkspartei namens CDU sucht nach ihren konservativen Wurzeln und kann sie einfach nicht finden
Drei unscharfe Gedankenkomplexe bestimmen die Geschichte der bürgerlich-demokratischen Gesellschaft, Ableitungen einst unvereinbarer Impulse und Vorstellungen: Aus dem Sozialismus wurde die Sozialdemokratie, die sich immer weniger sozialdemokratisch macht, aus dem Liberalismus eine marktradikale Ideologie mit kleinen Bürgerfreiheiten und aus dem Konservatismus die Idee einer ziemlich breiten bürgerlichen Mitte, die gern hätte, dass sich nicht zu viel ändert. Der Trick dieser drei immer weiter verschwimmenden politischen Weltbilder war es, immer offener und ungreifbarer zu werden, sich rhetorisch aber zugleich vom politischen Gegner unterscheidbar zu halten. Man braucht ja Wahlkämpfe, wenn man Wahlen braucht.« Quelle: 06.08.2010, Beitrag von Georg Seeßlen lesen bei der Freitag…
Ausland:
Indien: Armutsfalle Mikrokredite – Selbstmord wegen 25 Rupien
»Das Geschäft mit Mikrokrediten boomt. Sie sollen aus der Armut helfen. Doch für viele Frauen in Indien sind sie zur Armutsfalle geworden.
Auszug: “Längst sind die Zeiten vorbei, in denen Mikrokredite eher ein Geschäftsfeld für Nichtregierungsorganisationen und gemeinnützige Stiftungen war. In Indien steigt derzeit ein Großkonzern nach dem anderen in die Branche ein. Im Juni war es Aditya Birla, ein großer Mischkonzern, davor der größte indische Mischkonzern Reliance und der Baukonzern Larsen & Toubro. Auch ausländisches Großkapital ist dabei: Über sein Joint Venture Bajaj Allianz Life Insurance hat die deutsche Allianz-Gruppe 2008 schon zehn Millionen Dollar in Indiens größtes Mikrokreditinstitut, SKS Microfinance, investiert.
Alle Großen kaufen sich bisher bei einem der privaten Mikrokreditinstitute ein, deren Zahl in Indien seit der Jahrhundertwende von 20 auf 300 geklettert ist. SKS Microfinance geht als erstes indisches Mikrokreditinstitut an die Börse. SKS gelang es, die Zahl seiner Kreditnehmer, meist Frauen in ländlichen Gebieten, innerhalb von drei Jahren auf 3,95 Millionen zu verzwanzigfachen. In der gleichen Zeit wuchs die Kreditsumme um das 18-Fache auf 240 Millionen Euro und die Gewinne stiegen um das 50-Fache auf 14 Millionen Euro.”« Quelle: 05.08.2010, taz.de…
Links:
Schweiz: Aufrüsten gegen Raser
»Jetzt haben deutsche Raser in der Schweiz noch weniger zu lachen, denn das Nachbarland rüstet auf: In einem Tunnel wenige Kilometer nach der Grenze geht es Verkehrssündern mit der neuesten Technik an den Kragen.
Deutsche Tempobolzer unter den Autofahrern machen im Nachbarland regelmäßig eine bittere Erfahrung: In der Schweiz werden sie gerne mal ausgebremst. Wer auf der Autobahn nur 16 Stundenkilometer zu schnell fährt, zahlt umgerechnet 130 Euro – Zustellung des Bußgeldbescheids nach Deutschland und deutsche Kontoverbindung der Polizei inklusive. In Ortschaften wird schon eine minimale Geschwindigkeitsübertretung mit 30 Euro geahndet. Außerdem müssen Autofahrer bei den Eidgenossen auf vieles andere achten, etwa auf den Fußgängervortritt an Zebrastreifen und das echte Anhalten an Stoppschildern. Schon das bloße „Halten näher als 1,5 Meter neben der nächsten Straßenbahnschiene“ ist in der amtlichen „Bussenliste“ als Verbot aufgeführt. Zu alledem sind die Kontrollen zahlreich und die Polizisten unerbittlich. Das Feilschen um einen Sündennachlass ist meist vergebens.« Quelle: 06.08.2010, Beitrag von Jürgen Dunsch lesen bei faz.net…
Schweiz: Der moderne Bauer unterschreibt elektronisch
»Die elektronische Unterschrift Swiss-ID ist seit drei Monatenals Karte oder Stick im Handel. Die Landwirte und die Anwälte gehören zu den ersten, die auf die neue Technologie umstellen und damit die administrativen Kosten senken.
Der Verkauf der im Mai lancierten elektronischen Unterschrift Suisse-ID verlaufe nach Plan, sagt Markus Pfister vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Die Zielsetzung, bis Ende Jahr über 200 000 USB-Sticks und Chipkarten unter die Bevölkerung zu bringen, sei realistisch. Die digitale Identitätskarte gewährleistet eine sichere Authentifizierung und dient als rechtsgültige elektronische Unterschrift. Das Auswendiglernen unzähliger Online-Passwörter wird damit hinfällig. Das Seco rechnet mit volkswirtschaftlichen Einsparungen von mehreren hundert Millionen Franken, wenn sich die neue Technologie durchsetzt.« Quelle: 06.08.2010, Kommentar von Simon Gemperli lesen bei Neue Zürcher Zeitung (NZZ)…
Links:
Recht/Urteile:
Abofallen im Internet: Gegenwehr ist unbedingt nötig
»Wissenstests, Softwaredownloads oder Rezepte: Hinter vielen scheinbar kostenlosen Angeboten im Internet verstecken sich Abofallen. Wer ihnen auf den Leim geht, muss nicht zahlen – sich aber unbedingt wehren. Sonst drohen Schufa-Einträge.
Zitat: “Wer nichts bestellt hat, muss auch nicht zahlen, versichert Tatjana Halm von der bayrischen Verbraucherzentrale. Die meisten Betroffenen werden mit 96 Euro, manchmal auch mit über 160 Euro zur Kasse gebeten. Sie wollten vermeintlich kostenfreie Leistungen im Internet abrufen wie etwa die Software Open Office, Routen-Planer oder Google Earth, landeten aber in einer versteckten Abo-Falle. Auch wenn sich die Angeschriebenen hundertprozentig sicher seien, dass sie niemandem Geld schulden, sollten sie aktiv widersprechen, sagt Dittrich. Und auf keinen Fall zahlen.”« Quelle: 06.08.2010, Meldung lesen bei stern.de…
Wirtschaft:
Internet: Extrawurst für Google – Ende der Netzneutralität?
»Droht das Ende der Gleichberechtigung der Daten im Netz? Google ist offenbar bereit, für eine Vorzugsbehandlung seiner Dienste in die Tasche zu greifen: Die “New York Times” berichtet, entsprechende Verhandlungen mit dem Infrastrukturkonzern Verizon stünden bereits vor dem Abschluss.
Auszug: “Google, einst Lieblingsunternehmen der sogenannten Web-Community, ist offenbar dabei, als erstes wichtiges Internetunternehmen einen Deal einzugehen, der die bisher gültige Gleichberechtigung aller Daten im Netz in Frage stellt – die heiß umstrittene Netzneutralität. Die “New York Times” berichtet, entsprechende Verhandlungen mit dem Telekommunikations- und Infrastrukturkonzern Verizon (Jahresumsatz 2009: fast 108 Milliarden Dollar) stünden kurz vor dem Abschluss. Demnach sei Google bereit, für das Recht auf eingebaute Vorfahrt für die Daten seiner Dienste mehr Geld zu bezahlen. Google will den Bericht der “New York Times” derzeit nicht kommentieren.”« Quelle: 06.08.2010, Beitrag von Frank Patalong lesen bei SPIEGEL Online…
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6.8.2010/jowi



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