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Schon wieder helfen alle Haiti. Wer solche Freunde hat…

Noch ist die Zahl der Opfer des Erdbebens in Haiti längst nicht klar – in jedem Fall war es ein einziger Schrecken. Und während die Mainstream-Medien neben der Suche nach möglichst ergreifenden Bildern sich vor allem der Selbstdarstellung der Güte großer Mächte widmen stellt die gesellschaftskritische  Internetplattform labournet.de das “politische Erdbeben” vom 15. Januar 2010 in einer aktuellen Materialsammlung  vor

Ein politisches Erdbeben

Rund 100.000 Menschen könnten der ganzen Serie von Erdbeben auf Haiti zum Opfer gefallen sein, genau weiss das niemand – Familienangehörige aus aller Welt versuchen verzweifelt Kontakt aufzunehmen, die menschlichen Dramen geben jene Bilder her, die Medien brauchen, um in ihrer eigenen Dauerkakophonie aufzufallen.

Die kommerziellen Medien hatten weltweit dieselbe Erklärung für das enorme Ausmaß der Katastrophe: speziell die betroffenen Gegenden der Hauptstadt Port au Prince seien eben extrem überbevölkert und Häuser und Hütten übereinander gebaut. Das war der Ton von CNN und ARD, von New York Times und NZZ. Wesentlich weniger behandelt wurde die naheliegendste aller Fragen: Warum eigentlich wohnen soviele arme Menschen so zusammengeballt da? Zum Beispiel, weil dem Land unter der US-gestützten Duvalier-Diktatur eine ökonomische Modernisierung oktroyiert wurde, die sich so zusammenfassen läßt: Weg von der Landwirtschaft, hin zu Sonderexportzonen. Was überall auf der Welt daselbe bedeutet: Landflucht. Und konsequenterweise – Slums von enormen Ausmaßen. So argumentiert in “What You’re Not Hearing about Haiti (But Should Be)“  Autor Carl Lindskoog am 14. Januar 2010 bei commondreams.

Wenn die UNO Soldaten schickt…

Was manch einer in Europa immer wieder als Alternative zu NATO-Militärschlägen anpreist, ein Engagement der UNO – in Haiti findet genau das statt, die MINUSSTAH – unter brasilianischer Militärführung – sollte Ordnung und Sicherheit herstellen, beginnend 2004. Dass die Regierungen dieser Welt auch nicht anders werden, wenn sie zusammenwirken, zeigte sich daran ziemlich schnell. Eine knappe Bilanz dieser Tätigkeit zieht in “Catastrophe in Haiti” Ashley Smith im Socialist Worker vom 14. Januar 2010 – darin werden nicht nur die regelmäßigen Miltäraktionen in den Slums und die weltweit bekannten Serienvergewaltigungen der Beschützer erwähnt, sondern auch die aktuelle Fortschreibung der ökonomischen Entwicklungsbefehle skizziert: Luxustourismus in Zonen, die der Regierung nicht mehr unterstehen und Textilsweatshops…

Ein ganz auffällig anderer Artikel in einer großen bürgerlichen Zeitung ist “Our role in Haiti’s plight” von Peter Hallward im britischen “Guardian” vom 13. Januar 2010: Er kontrastiert dabei direkt die jetzt überall verkündete schnelle Hilfe mit der Politik die dieselben “Geberländer” in bezug auf Haiti betrieben haben, vom Sturz der Aristide-Regierung bis zur transnationalen Lobby gegen die Erhöhung des Mindestlohns.

Dazu paßt, dass die zuerst angekommenen Hilfeleister ausgerechnet jene US-Marines waren, die seit der ersten invasion 1915 immer ein wesentlicher Bestandteil der Repression aller progressiven Bestrebungen waren. Das veranlasst die US-amerikanischen “Fight back news” ihren redaktionellen Artikel vom 14. Januar 2010 mit dem Titel “U.S. strengthens military control” zu versehen. Auch ansonsten sind die MINUSSTAH-Soldaten dabei, zu versuchen ihr in Haiti sehr ramponiertes Image zu verbessern, während die jeweiligen Regierungen ihre eigenen Opfer betrauern, wie dies am Beispiel Argentiniens in “La Argentina enviará un Hércules con ayuda humanitaria a Haití” vom 14. Januar 2010 bei infobae exemplarisch nachzulesen ist.

Wie es auch anders geht – und warum jemand bzw eine Regierung trotz aller Propaganda Beliebtheit geniesst – ist in dem Beitrag “Cuban Doctors in Haiti Assist Earthquake Victims” externer Link in der San Francisco Bay View vom 15. Januar 2010 nachzulesen: Es wurde niemand geschickt. Denn Kuba hat zwar keine Soldaten, aber eine medizinische Brigade von rund 350 Menschen seit langem auf Haiti.

Wer den Menschen Haitis helfen möchte steht vor dem üblichen Dilemma: Wie?

Die großen bürokratischen und kommerziellen Profi-Hilfeleister sind sicher nicht die gute Adresse dafür: Wer auch nur ansatzweise verfolgt hat, wie in verschiedenen Ländern die Hilfsgelder nach dem Tsunami dazu genutzt wurden, Küstenbevölkerung im Dienste desr Tourismuswirtschaft zu vertreiben, wird davon endgültig geheilt sein.

Zwei alternative Möglichkeiten sind augenblicklich hier bekannt: Zum einen hat die “Miami Autonomy and Solidarity” ein Hlifsprojekt mit Batay Ouvriye organisiert, das, jenseits aller Debatten um die Politik dieser Organisation mit Sicherheit anders geartet ist, als der Mainstream. Eine Mail an miamiautonomyandsolidarity@yahoo.com ist der Weg, hier Hilfe zu leisten, es ist ein “Fund for working people”.

Und es gibt einen Aufruf des AfL-CIO “AFL-CIO Calls on Unions, U.S. to Assist Haitians” über dessen Haiti Centre zu spenden – sicher auch eine Möglichkeit, wenn auch nicht basisorientiert.

Quelle:

www.labournet.de – Germany

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2 Kommentare zu „Tue Gutes und sprich darüber?“

  • admin sagt:

    Bertelsmann spendet 100.000 Euro für Soforthilfe in Haiti
    Konzern unterstützt die vielfältigen Spendenaktionen und -aufrufe seiner Firmen und Medien

    Gütersloh (ots) – Das internationale Medien- und Servicesunternehmen Bertelsmann spendet 100.000 Euro als Soforthilfe für die Opfer der Erdbebenkatastrophe im Inselstaat Haiti. Bertelsmann unterstützt damit auf Konzernebene vielfältige Spendenaktionen und -aufrufe unter anderem von Sendern der RTL Group, Magazinen des Druck- und Zeitschriftenhauses Gruner + Jahr, der Publikumsverlagsgruppe Random House und der Hilfsorganisation “Stiftung RTL – Wir helfen Kindern e.V.” sowie private Spenden von Mitarbeitern in aller Welt.

    Die Bertelsmann-Spende kommt dem Kinderhilfswerk Plan International zugute. Plan ist bereits seit Jahren in Haiti aktiv. Bertelsmann hatte die Hilfsorganisation schon nach dem schweren Erdbeben in Südchina im Mai 2008 als Partner ausgewählt. War es dort um einen langfristigen Wiederaufbau von Schulen mithilfe von Bertelsmann gegangen, steht jetzt die akute Nothilfe im Vordergrund.

    Der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG, Hartmut Ostrowski, erklärte: “Angesichts der Bilder, die uns in diesen Tagen aus Haiti erreichen, ist es unsere Pflicht, als gesellschaftlich verantwortungsbewusstes Unternehmen, die Soforthilfe vor Ort mit unseren Mitteln zu unterstützen. Die Spende kommt Menschen und vor allem Kindern zugute, deren Leben ohnehin von Not und Elend gekennzeichnet ist, die aber jetzt durch das Erdbeben noch zusätzlich getroffen wurden. Mit Plan International unterstützen wir einen Partner, der unter dem Eindruck der Zusammenarbeit nach dem Erdbeben in China unser volles Vertrauen genießt und sicherstellt, dass das Geld bei den Betroffenen ankommt.”

    Plan hat umgehend Hilfsmaßnahmen für die betroffenen Menschen in der Erdbebenregion eingeleitet. Marianne M. Raven, Geschäftsführerin von Plan Deutschland, erläutert gegenüber Bertelsmann: “Unsere Mitarbeiter vor Ort kümmern sich bereits um die Opfer des Erdbebens. Zerstörte Telefonleitungen behindern die Rettungsarbeiten, aber die Helfer koordinieren ihren Einsatz mit den lokalen Behörden sowie anderen Hilfsorganisationen. Plan ist seit 1973 in Haiti tätig und hat langjährige Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit und Organisation von Nothilfemaßnahmen.”

    Derzeit betreut Plan rund 42.000 Patenkinder und deren Familien in Haiti. Das Kinderhilfswerk arbeitet in zehn Programmgebieten im Nordosten, Südosten und Westen des Landes.

    Quelle: http://www.presseportal.de/pm/7842/1545242/bertelsmann_ag

  • admin sagt:

    Haiti braucht unsere Solidarität jetzt – und für lange Zeit

    Die entwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Heike Hänsel, fordert von der Bundesregierung angesichts der Erdbebenkatastrophe in Haiti, die humanitäre Hilfe zu erhöhen und die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit wieder aufzunehmen. Hänsel erklärt:

    “Dass den Menschen in Haiti nach dem Beben keinerlei staatlich organisierte Hilfe zur Verfügung steht, ist eine Tragödie, aber kein Schicksal, da von Menschenhand gemacht. Denn der Westen hat mit seinen neoliberalen Entwicklungskonzepten dazu beigetragen, die staatlichen Strukturen in Haiti zu zerrütten und Entwicklung zu blockieren. Deshalb muss die humanitäre Nothilfe der Bundesregierung angesichts der fehlenden staatlichen Notversorgung deutlich erhöht werden.
    Ich halte es zudem für eine völlige Fehlentscheidung, dass die ehem. Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul, gegen den fraktionsübergreifenden Widerstand im Entwicklungsausschuss die bilaterale Zusammenarbeit mit Haiti beendet hat. Deshalb muss Haiti nicht nur kurzfristig humanitäre Nothilfe erhalten, sondern auch wieder in die Länderliste des BMZ für die langfristige bilaterale Entwicklungszusammenarbeit aufgenommen werden. Das ärmste Land der westlichen Hemisphäre braucht unsere Solidarität jetzt – und für lange Zeit.“

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