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Die Raben der Liz Gaukeley
Wie die Bertelsmann-Stiftung mit Bildungspanik auf Talersuche geht…
Kommentar von Joachim Weiss
Was Hexen, Kinder und Märchenonkel schon immer wussten, wird von der modernen Verhaltensbiologie bestätigt: Nicht stolze Adler oder weise Eulen führen die Bildungselite der gefiederten Tierarten an, sondern die Gattung der Rabenvögel (Corvidae). Das exzellente Gedächtnis des aasfressenden Gefieders –etwa beim Wiederfinden verschneiter Futterverstecke – paart sich mit einer besonderen Fähigkeit, komplexe Handlungen im Voraus zu planen (1). Es ist durchaus amüsant und bemerkenswert, wie selbstverständlich die Tiere dabei das räuberische und futterneidische Sozialverhalten ihrer eigenen Spezies ins Kalkül ziehen. Erspäht die Krähe ein interessantes Beutestück, so würde sie es aus Sorge, die Aufmerksamkeit ihrer Artgenossen auf sich zu lenken, nicht spontan anfliegen. Entweder wartet die (durchschnittsbegabte) Krähe bis die „Luft rein“ ist, oder – und daran erkennt man die echte Elite-Krähe – sie stößt einen weithin vernehmbaren Warnruf aus, um den Fluchtreflex ihrer Rivalen zu provozieren; in der allgemeinen Aufruhr kann sie ihr Beutestück dann unbemerkt in Sicherheit bringen. Safety first!
Obwohl sich nicht beweisen lässt, ob eine organisierte Zusammenrottung von Krähen bereits der Definition eines Think-Tanks genügt, zeigt die Bertelsmann-Stiftung in einer ihrer „neuesten Studien“, was man als Mehrheitsaktionär einer medialen Bildungsfabrik von Krähen und Rabenvögeln lernen kann: Man lässt über die Presseagentur dpa einen Notschrei zum bevorstehenden Kollaps der Hauptschule verbreiten und drängt (händereibend) auf radikale Reformen des Schulsystems.
2025 werde die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren von knapp 11 Millionen auf 9 Millionen sinken«, zitiert die Süddeutsche Zeitung Vorstandsmitglied Brigitte Mohn (2). Besonders drastisch sei die Gruppe der 16- bis 18-jährigen Schüler betroffen, deren Anzahl sich um 27,4 Prozent verringern werde. Für die 10-15-Jährigen habe die Stiftung einen Rückgang von 15,8 Prozent, respektive 14,3 Prozent in der Altersgruppe der 6-9 Jahre ermittelt. Ist das nicht schrecklich?
Als Angehöriger einer Schülergeneration aus den 1960er Jahren, die unter maßlos überfüllten Klassen (bis 40 Schüler!) zu leiden hatte, teile ich diese Ansicht allerdings nicht. Und wo stünde das deutsche Schulwesen ohne die jahrhundertealte Tradition seiner Reformbedürftigkeit?
Wovor will die Stiftung also warnen, wenn sie besorgte Eltern, Lehrer und Kommunalpolitiker mit dem Versprechen, dort »erstmals bildungsrelevante Daten für alle Kommunen ab 5000 Einwohnern« bereit zu stellen, auf ihre Verunsicherungsplattform www.wegweiser-kommune.de lockt? Vielleicht vor einer Rückkehr in die Normalität?
Oder gibt es einen anderen Grund, warum gerade die Online-Leser der Süddeutschen Zeitung dem Lockruf in den bildungspolitischen Darkroom der Bertelsmann-Stiftung folgen sollten? Durchaus: Der Link www.wegweiser-kommune.de ist in der Süddeutschen Zeitung mit einer aussagestarken Adresse hinterlegt: »http://http//dpa-q.de/saerge«. Und die Moral von der Geschicht? Krähenrufen glaube nicht!
Links & Quellen:
(1) Interessante Informationen über Rabenvögel bei Wikipedia lesen…
(2) Studie: “Sinkende Schülerzahl verändert Schulsystem”; dpa Online Meldung vom 6.11.2009, 12:05 Uhr in der Süddeutschen Zeitung lesen…
Blank is beautyfull…
…Trotz seiner 93 Jahre und seiner nachlassenden Gesundheit fand »Onkel Miltie« wie ihn [US-Ökonom Milton Friedman] seine Anhänger nannten, noch die Kraft, drei Monate nach dem Bruch der Dämme einen Aufmacher für The WallStreetJournal zu verfassen.
»Die meisten Schulen von New Orleans liegen in Trümmern, schrieb Friedman, genauso wie die Häuser der Kinder, die sie besuchten. Diese Kinder sind jetzt über das ganze Land verstreut. Das ist eine Tragödie. Es ist aber auch eine Gelegenheit, das Bildungssystem radikal zu reformieren!”
Friedmans radikale Idee bestand darin, einen Teil der Milliarden von Hilfsgeldern nicht in den Wiederaufbau und die Verbesserung des öffentlichen Schulwesens von New Orleans zu stecken; vielmehr sollte die Regierung den Familien vom Staat subventionierte Gutscheine gehen, die sie dann bei privaten, meist profitorientierten Einrichtungen einlösen könnten. Entscheidend sei, führte Friedman aus, dass diese grundsätzliche Änderungen des Schulsystems nicht als Behelfsmaßnahme, sondern als permanente Reform gesehen werde.
Ein Netzwerk rechtslastiger Denkfabriken griff Friedmans Vorschlag auf und fegte nach dem Sturm über die Stadt. Die Regierung von George W. Bush unterstützte mit zig Millionen Dollar deren Pläne, die Schulen von New Orleans in Charter Schools umzuwandeln, bei denen es sich um eigentlich öffentliche Schulen handelt, die von privaten Betreibern nach deren eigenen Regeln geleitet werden….
Charter Schools spalten die Bevölkerung der Vereinigten Staaten zutiefst, vor allem aber in New Orleans, wo viele afroamerikanische Eltern sie als Mittel betrachten, die Errungenschaften der Bürgerrechtsbewegung rückgängig zu machen, die allen Kindern denselben Bildungsstandard garantierten. Milton Friedman hingegen glaubte, der Staat hätte im Schulwesen nichts verloren.
Naomi Klein
Zitat: Naomi Klein. 2007. Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Fischer Verlag.
7.11.2009 / jowi
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Veranstaltungshinweis

Blank is beutyfull
Trotz seiner 93 Jahre und seiner nachlassenden Gesundheit fand »Onkel Miltie« wie ihn [US-Ökonom Milton Friedman] seine Anhänger nannten, noch die Kraft, drei Monate nach dem Bruch der Dämme einen Aufmacher für The WallStreetJournal zu verfassen.
»Die meisten Schulen von New Orleans liegen in Trümmern, schrieb Friedman, genauso wie die Häuser der Kinder, die sie besuchten. Diese Kinder sind jetzt über das ganze Land verstreut. Das ist eine Tragödie. Es ist aber auch eine Gelegenheit, das Bildungssystem radikal zu reformieren!”
Friedmans radikale Idee bestand darin, einen Teil der Milliarden von Hilfsgeldern nicht in den Wiederaufbau und die Verbesserung des öffentlichen Schulwesens von New Orleans zu stecken; vielmehr sollte die Regierung den Familien vom Staat subventionierte Gutscheine gehen, die sie dann bei privaten, meist profitorientierten Einrichtungen einlösen könnten. Entscheidend sei, führte Friedman aus, dass diese grundsätzliche Änderungen des Schulsystems nicht als Behelfsmaßnahme, sondern als permanente Reform gesehen werde.
Ein Netzwerk rechtslastiger Denkfabriken griff Friedmans Vorschlag auf und fegte nach dem Sturm über die Stadt. Die Regierung von George W. Bush unterstützte mit zig Millionen Dollar deren Pläne, die Schulen von New Orleans in Charter Schools umzuwandeln, bei denen es sich um eigentlich öffentliche Schulen handelt, die von privaten Betreibern nach deren eigenen Regeln geleitet werden….
Charter Schools spalten die Bevölkerung der Vereinigten Staaten zutiefst, vor allem aber in New Orleans, wo viele afroamerikanische Eltern sie als Mittel betrachten, die Errungenschaften der Bürgerrechtsbewegung rückgängig zu machen, die allen Kindern denselben Bildungsstandard garantierten. Milton Fricdman hingegen glaubte, der Staat hätte im Schulwesen nichts verloren.
Naomi Klein
Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus. Fischer Verlag.
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